Am Bankingterminal

Schon beim Öffnen der Tür fährt dir der stechende Geruch in die Nase. Rechts stehen die Geldautomaten still und sich ihrer sicher – wie immer. Rechts steht der Bankingterminal an dem fast nie jemand steht. Jeder macht Onlinebanking und deine Mutter wirft ihre Überweisungen bei der Bank ein – wie immer.

Vor dem Bankingterminal steht der Mann im Rollstuhl. Du kennst den Mann im Rollstuhl. Seit Jahren rollt er in der Gegend herum. Meistens ist er besoffen. Du hast dich schon ein paarmal mit ihm unterhalten. Ihm hie und da ein wenig Geld zugesteckt. Du hast ihm im Prater mal ein Bier geholt. Da sah er noch gesund aus. Jetzt sieht er nicht mehr gesund aus. Er ist dünn und abgemagert, wahrscheinlich hat er sich heute Nacht eingepisst. War wohl eine furiose Nacht. Und sicher war er nicht allein. Am Bankingterminal. Aber jetzt ist er allein. Am Bankingterminal. Seine Freunde (Freunde der Straße) sind weiter gezogen. Ihn haben seine Rollstuhlräder nicht mehr getragen. Am Boden liegen zerschellte Flaschen – jemand hat unbeholfen versucht, die verschiedenfarbigen Lachen mit einer Zeitung aufzuwischen. War offensichtlich zu anstrengend. Bankkunden haben Teile der zermatschten Zeitung bis vor die Tür mitgetragen.

Du fragst ihn, ob alles ok sei. Er reagiert nicht – wie immer. Dann reagiert er doch – wie immer. Er reißt die Augen auf und stöhnt. Er murmelt Jajajajajajajajajajajaaaaaaa und sackt wieder in sich zusammen. Du hebst dein Geld ab und willst ihm davon was auf den Schoß legen. Aber du hast eben ein Foto von ihm gemacht und schämst dich jetzt dafür.

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